Wann ist ein FuE-Vorhaben förderfähig?
Die Forschungszulage ist eine steuerliche FuE-Förderung mit Rechtsanspruch. Entscheidend ist nicht Ihre Branche oder Unternehmensgröße, sondern ob Ihr Vorhaben als Forschung und Entwicklung im Sinne des Forschungszulagengesetzes anerkannt wird.

Das Gesetz unterscheidet drei FuE-Kategorien, die grundsätzlich förderfähig sein können:
Grundlagenforschung
neue Erkenntnisse ohne unmittelbaren Anwendungsschwerpunkt
Industrielle Forschung
neue Lösungen/Technologien, die über bestehende Referenzlösungen hinausgehen
Experimentelle Entwicklung
Entwicklung und Erprobung neuer oder wesentlich verbesserter Produkte/Verfahren/Dienstleistungen – mit realer technischer Unsicherheit
In der Praxis betrifft die Forschungszulage häufig industrielle Forschung und experimentelle Entwicklung – also Projekte, bei denen Teams neue technische Lösungen entwerfen, testen, verwerfen und iterativ verbessern.
So prüft die BSFZ das Vorhaben inhaltlich – diese Kriterien müssen erkennbar sein:

Neuartigkeit (Stand der Technik)
Das Projekt muss über bestehende Referenzlösungen am Markt hinausgehen. Es reicht nicht, etwas "nur bei uns im Unternehmen" neu zu machen – entscheidend ist die externe Betrachtung: Gibt es die Lösung bereits – oder ist die Zielerreichung in dieser Form neu?
Schöpferisches Arbeiten
FuE bedeutet originäre, kreative Lösungsentwicklung. In der Regel nicht förderfähig sind reine Standard-Konfigurationen, Routine-Anpassungen oder "Implementierung nach Lehrbuch".
Ungewissheit / technisches Risiko
Ein FuE-Projekt hat echte offene technische Fragen. Der Erfolg ist nicht garantiert. Wenn das Ergebnis von Anfang an klar ist ("wir setzen Tool X ein und dann funktioniert es"), fehlt meist die FuE-Unsicherheit.
Systematik / Planmäßigkeit
Das Vorhaben muss methodisch durchgeführt werden: Ziele, Arbeitspakete, Meilensteine, Ressourcen, Tests/Experimente. "Wir probieren mal herum" ohne Struktur ist in der Regel zu schwach.
Nachvollziehbarkeit / Reproduzierbarkeit
Ergebnisse müssen dokumentiert und nachvollziehbar sein: Hypothesen, Tests, Entscheidungen, Iterationen, Prototypen, Messungen. Wichtig: Dokumentation ist nicht nur für die BSFZ, sondern auch für spätere Rückfragen zur Kostenabgrenzung relevant.
Wichtig: Ein Projekt kann Mischanteile haben. Dann lohnt es sich, den FuE-Teil exakt abzugrenzen und klar zu beschreiben.
Beantworten Sie diese Fragen möglichst konkret:
Ziel in 1 Satz
Was soll am Ende technisch entstehen?
Was ist neu?
Welche relevante Eigenschaft gab es so bisher nicht?
Was ist ungewiss?
Welche technischen Fragen sind offen – und warum?
Wie gehen wir vor?
Welche Arbeitspakete/Experimente/Prototypen sind geplant?
Wie dokumentieren wir?
Welche Artefakte entstehen (Tests, Messungen, Protokolle, Prototypen)?
Wenn Sie bei Frage 3 keine klare Unsicherheit benennen können, ist das ein Signal, dass das Vorhaben eher Routine-Entwicklung ist.
Was sich in der Praxis bewährt hat – als Orientierung, nicht als Versprechen:
Entscheidend ist nicht die Menge, sondern dass die Artefakte die FuE-Kriterien (Neuartigkeit, Unsicherheit, Systematik) nachvollziehbar belegen.
Zu allgemein oder "marketinghaft"
Die BSFZ erwartet Substanz.
Lösung
Technisch präzise beschreiben: Ausgangslage & bekannte Lösungen → Herausforderung → Ansatz → Tests → erwartete Ergebnisse.
Keine klare FuE-Abgrenzung
Viele Anträge scheitern, weil Routine-Anteile als FuE verkauft werden.
Lösung
FuE-Kern herausarbeiten und nicht-förderfähige Teile trennen.
Unsicherheit nicht überzeugend dargestellt
"Wir entwickeln eine innovative Plattform" reicht nicht.
Lösung
Konkrete offene technische Probleme, Hypothesen, Risiken, Alternativen nennen.
Fehlende Systematik
Kein Plan, keine Arbeitspakete, keine messbaren Ziele.
Lösung
Projektstruktur mit Meilensteinen, Tests, Ressourcenplanung.